Hindernisse überwinden: Fokus auf das Kontrollierbare und kleine Schritte zum Ziel
- Alison Marburger

- 24. Sept. 2025
- 6 Min. Lesezeit
„Manchmal fühlt es sich an, als würde man auf der Stelle treten. Wir kreisen immer wieder um dieselben Probleme – und merken gleichzeitig, dass wir nicht ins Handeln kommen.“

Viele meiner Klient:innen beschreiben dieses Gefühl eindrücklich:
„Ich sehe nur noch, was nicht geht.“
„Ich will etwas verändern, aber weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
„Es fühlt sich an, als stünde ich vor einer Mauer.“
Dieses „Feststecken im Problemdenken“ betrifft nicht nur neurodivergente Erwachsene mit ADHS, Hochbegabung oder Hochsensibilität. Auch neurotypische Menschen, Teams und ganze Unternehmen erleben es regelmäßig – etwa in Phasen des Wandels oder wenn Veränderungen blockiert scheinen.
Warum wir im Problemfokus verharren
Psychologisch ist das gut erklärbar. Unser Gehirn ist von Natur aus auf Gefahren- und Problemerkennung ausgerichtet (Negativity Bias). Das schützt uns zwar, führt heute aber oft in eine Problemtrance:
„Ich kann nicht, weil …“
Für Privatpersonen bedeutet das: Ohnmacht, Grübelschleifen, Antriebslosigkeit. Je mehr man über das Problem nachdenkt, desto kleiner fühlt man sich.
Für Unternehmen heißt es: „Wir haben zu wenig Budget“, „Die Leute ziehen nicht mit“, „Wir haben das schon versucht.“
Das Ergebnis: Stillstand, Frust, Ineffizienz.

Problemfokus erzeugt Enge – und nimmt uns die Handlungsfähigkeit.
Der systemische Ansatz: Lösungen entstehen im Dialog
Als Coach arbeite ich systemisch. Ich gehe davon aus, dass Ressourcen und Lösungen bereits da sind – sie sind nur verdeckt.
„Viele meiner Klient:innen sagen: ‚Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.‘ Im Coaching entdecken wir gemeinsam: Die Antworten sind da – manchmal verborgen in Erfahrungen, Stärken oder neuen Perspektiven.“
Drei Fragen helfen, den Blick zu öffnen:
Wer oder wie will ich sein? – Zukunftsbild statt Defizit.
Was hält mich davon ab? – Hindernisse klar benennen.
Was ist mein nächster Schritt? – konkrete Handlungen statt Grübelschleifen.

Circle of Control: Fokus auf das Machbare
Ein wichtiges Werkzeug dabei ist der Circle of Control (Stephen Covey):
Im innersten Kreis liegen Dinge, die wir direkt kontrollieren können. Darum herum befindet sich der Einflussbereich – Bereiche, die wir zumindest teilweise beeinflussen können. Alles außerhalb bleibt der große Kreis der Sorgen, der Faktoren umfasst, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Eine zentrale Erkenntnis der Psychologie – schon von antiken Stoikern betont – lautet: Unterscheide zwischen dem, was du ändern kannst, und dem, was du nicht ändern kannst. Gerade wenn wir vor Herausforderungen stehen oder Stress erleben, neigen wir dazu, uns auch über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die völlig außerhalb unseres Einflusses liegen.
Das Konzept des Circle of Control (Kreis der Kontrolle) hilft, hier Klarheit zu schaffen. Man teilt die Welt gedanklich in drei Bereiche ein:
Kreis der Kontrolle: Alles, was du unmittelbar selbst steuern kannst. Das umfasst vor allem dein eigenes Verhalten, deine Entscheidungen, deine Gedanken und Reaktionen. Beispielsweise kannst du entscheiden, wie viel Zeit du täglich in eine Aufgabe investierst, welche Einstellung du gegenüber einer Situation einnimmst oder wie du auf Feedback reagierst.
Kreis des Einflusses (auch Circle of Influence): Dinge, die du nicht vollständig kontrollierst, aber beeinflussen kannst. Dazu zählen z.B. die Dynamiken im Team oder in der Familie, die Stimmung in einem Meeting oder gewisse Ergebnisse in Projekten. Du kannst durch dein Handeln Impulse setzen – etwa Vorschläge machen, andere überzeugen oder um Unterstützung bitten –, aber der Ausgang ist nicht garantiert, da auch andere Faktoren eine Rolle spielen.
Kreis der Sorgen (auch Circle of Concern): Alle Aspekte, die klar außerhalb deiner Einflussmöglichkeiten liegen. Das können globale Ereignisse sein (Wirtschaftslage, Wetterextreme), die Vergangenheit, oder die Handlungen und Meinungen anderer Menschen. Wir können diese Dinge zwar bedauern oder beobachten, aber nicht direkt ändern. Hier lohnt es sich, bewusst loszulassen – also anzuerkennen, dass man daran nichts direkt ändern kann, und seine Energie stattdessen auf die inneren Kreise zu richten.

Kontrollieren: Was kann ich selbst direkt entscheiden oder tun?
Beeinflussen: Was kann ich teilweise gestalten?
Akzeptieren: Was liegt völlig außerhalb meiner Kontrolle?
Diese Einordnung befreit. Denn oft investieren Menschen und Unternehmen Energie in Bereiche, die sie gar nicht ändern können – und verlieren Kraft. Der Effekt: Ohnmacht. Wer seine Aufmerksamkeit auf den Kontroll- und Einflussbereich richtet, erlebt mehr Selbstwirksamkeit, Gelassenheit und Fortschritt.
Kleine Schritte – große Wirkung
Ein großes Vorhaben kann im ersten Moment überwältigend wirken – so sehr, dass man gar nicht erst anfängt. Stell dir beispielsweise vor, dein großes Ziel ist, einen Marathon zu laufen. Das kann einschüchternd bis unmöglich sein, wenn du heute bei Null startest. Brichst du das Ziel aber in kleine Schritte herunter – etwa jede Woche 20 Minuten joggen – wird daraus eine machbare Aufgabe. Große Ziele sind wichtig, aber erreicht werden sie in kleinen Schritten.
Studien zeigen: Schon kleine Fortschritte (Small Wins) steigern Motivation und Durchhaltevermögen. Jeder Schritt liefert Energie für den nächsten. Deshalb arbeite ich mit Klient:innen und Teams stets in Minischritten, die realistisch und sofort umsetzbar sind – und die in Summe große Veränderungen anstoßen.
Dieses Prinzip gilt ebenso im persönlichen Bereich: Kontinuierliche Mini-Schritte bauen Momentum auf. Nach und nach summieren sie sich zu großen Veränderungen. Wichtig dabei ist, Erfolge zu feiern – auch die kleinen: Sich z.B. am Ende der Woche für die eingehaltenen Lauf-Einheiten zu belohnen, kann laut Experten das Dranbleiben fördern.

Kurzum, kleine Schritte sind kein „nice to have“, sondern der Weg, wie Veränderung tatsächlich stattfindet: Stück für Stück, Tag für Tag.
Trotz aller Fokussierung auf den nächsten kleinen Schritt sollte man das große Gesamtziel nicht vergessen. Es dient als Orientierungsstern, der die Richtung vorgibt. Ein klar definiertes langfristiges Ziel verleiht deinen Handlungen Bedeutung und Kontext.
Ein deutlich formuliertes „Warum“ hinter deinen Bemühungen wirkt wie ein innerer Motor. Wenn du weißt, wofür du die kleinen Schritte gehst, bleiben Selbstdisziplin und Ausdauer eher erhalten – selbst wenn es mal anstrengend wird. So kann man die manchmal mühsame Kleinarbeit im Alltag mit der Vision im Hinterkopf verknüpfen: Jeder Schritt bringt dich näher an dein großes Ziel heran.
Allerdings ist es ein Balanceakt: Das große Ziel soll Inspiration spenden, darf aber nicht zur erdrückenden Last werden. Verliere dich nicht in zu ferner Zukunft oder Perfektionismus. Stattdessen wechsle gedanklich immer wieder zwischen Zoom-Out und Zoom-In: Behalte das Endziel im Blick (Zoom-Out, der weite Blick auf den „Nordstern“), richte dann den Fokus zurück auf den nächsten konkreten Schritt vor dir (Zoom-In) – den Schritt, den du heute gehen kannst. Diese Wechselwirkung hält die Motivation hoch: Das Fernziel gibt Sinn und Energie, die Zwischenschritte liefern Erfolgserlebnisse und Machbarkeit. Mit dieser Strategie bleibst du auf Kurs und kannst trotz unvermeidlicher Hindernisse langfristig am Ball bleiben.

Vom Individuum zum Team: Blockaden im Unternehmenskontext
Was im Privaten Grübelschleifen und Ohnmacht erzeugt, zeigt sich in Unternehmen als kollektives Muster: ganze Teams und Organisationen verharren im Problemfokus. Die Sätze klingen dann etwas anders – die Wirkung ist dieselbe: Stillstand, Frust und ungenutzte Potenziale.
Strategieprojekte: „Wir wissen, dass wir digitalisieren müssen – aber jede Abteilung blockiert.“
Budgetfragen: „Wir können das nicht, weil das Geld fehlt.“
Change-Prozesse: „Wir würden ja, aber die Leute machen nicht mit.“
Qualitätsmanagement: „ISO 9001 ist nur Bürokratie.“
Das Muster ist identisch: Teams kreisen um Hindernisse. Doch sobald klar wird, wer wir als Organisation sein wollen, welche Blockaden uns tatsächlich bremsen und welcher erste Schritt machbar ist, entsteht Bewegung.

Meine Rolle im Coaching
Zum Schluss ein wichtiger Hinweis: Meine Unterstützung versteht sich als Coaching und ersetzt keine Therapie. Ich bin kein Therapeut und behandle keine psychischen Störungen – bei ernsthaften seelischen Problemen wie Depression oder Angststörungen sollte unbedingt professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Coaching fokussiert sich vor allem auf Zukunft und konkrete Ziele: Wir arbeiten daran, wie du von deinem Ist-Zustand zu deinem Wunsch-Zustand gelangst. Die Psychotherapie dagegen beschäftigt sich oft mehr mit der Vergangenheit und dem Aufarbeiten tieferliegender Ursachen aktueller Probleme. Solltest du das Gefühl haben, dass tiefgehende seelische Konflikte dich bremsen, zögere nicht, dir therapeutische Unterstützung zu suchen.
Diese klare Abgrenzung ist mir wichtig. Mein Ansatz – Hindernisse identifizieren, Fokus auf das Kontrollierbare, kleine Schritte planen und große Ziele im Blick behalten – dient der persönlichen Weiterentwicklung und Leistungssteigerung.
Genau hier liegt meine Aufgabe:
Denkfehler entlarven
Ressourcen sichtbar machen
den Fokus auf Selbstwirksamkeit lenken
Klarheit schaffen, damit meine Klient:innen ihrer Wahrnehmung wieder vertrauen
So entstehen Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, Handlungsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung – für Menschen, Teams und Unternehmen.

Zusammengefasst: Konzentriere dich auf das, was du beeinflussen kannst, und akzeptiere gelassen, was außerhalb deiner Kontrolle liegt. Identifiziere ehrlich die Hindernisse auf deinem Weg, ohne in Negativität zu verfallen – nutze sie vielmehr als Checkliste für Lösungen. Bewahre dir die Vision deines großen Ziels als Inspiration, aber arbeite dich Schritt für Schritt voran. Jeder kleine Fortschritt zählt und bringt dich deinem Traum näher. Dieser wissenschaftlich fundierte Ansatz – realistisches Denken, Fokus auf den Circle of Control, winzige Erfolge feiern und ein klares Ziel vor Augen – hilft nicht nur, Ziele effizienter zu erreichen, sondern stärkt auch deine psychische Widerstandskraft. Du wirst feststellen: Wenn du deine Energie auf das Richtige bündelst und beharrlich kleine Schritte machst, sind selbst große Veränderungen machbar. Denn am Ende sind es die kleinen täglichen Taten, die den Unterschied machen – getragen von der Klarheit, wohin die Reise gehen soll.
👉 Und jetzt meine Frage an dich: Was wäre dein nächster kleiner Schritt – privat oder im Team?




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